Das Geheimnis starker Menschen: Emotionale Intelligenz - der Umgang mit unangenehmen Emotionen

April 30, 2017

 

 

Ich öffne die Augen, es ist noch dunkel draußen, drehe mich um, sehe auf den Wecker – oh Gott vier Uhr Morgens – mitten in der Nacht. Gedanken rasen durch meinen Kopf. Klappt das heute Abend mit meiner Kollegin, kann ich mich wirklich auf ihre Hilfe bei meiner Präsentation verlassen. Alleine schaff ich das nicht. Und wie gehe ich nur das Gespräch mit meinem Chef an. Das darf nicht schief gehen. Mir ist es so wichtig, dass ich die Unterstützung für mein Projekt erhalte, an dem ich solange und intensiv gearbeitet habe. Die Stromrechnung muss ich auch noch zahlen. Hab ich ganz vergessen. Die haben mir schon eine Mahnung geschrieben, dass wenn ich nicht zahle, mir der Strom abgedreht wird. Mir wird ganz übel. Ich spüre wie sich mein Brustkorb zusammenzieht – oh Gott – ich habe Angst.

 

Kennen Sie das? So oder ganz ähnlich geht es ganz vielen von uns. Emotionen wie Angst, Ärger, Trauer, Enttäuschung durchleben wir beinahe täglich. Doch haben wir gelernt mit diesen Emotionen konstruktiv, ja sogar gewinnbringend umzugehen? Oft leider nicht. Sehr oft sehen wir uns nur zwei Möglichkeiten gegenüber mit diesen Emotionen zu leben:

 

1. Das Unterdrücken von Emotionen: Die eine ist, sie zu unterdrücken, zu verleugnen und zu versuchen uns abzulenken mit etwas das uns Freude macht, oder sie zu betäuben, indem wir uns unseren Süchten hingeben. Doch wir müssen feststellen, dass das langfristig nicht hilft. Dass was wir auf der einen Seite niederdrücken kommt auf der anderen Seite wieder zum Vorschein.

 

2. Den Emotionen freien Lauf lassen: Die zweite Möglichkeit besteht darin, genau das Gegenteil zu tun: Allen Emotionen freien Lauf zu lassen. Auch das wird zum Problem. Denn wenn wir alle Gefühle ausleben, die in uns hochkommen, verstärkt dies unsere (negativen) Gewohnheiten bis wir letztendlich wieder leiden und unser Verhalten höchst widersprüchlich und verwirrend wirkt.

 

Was gibt es für Alternativen? Eine weitere Möglichkeit besteht darin, unseren Emotionen mit größtmöglicher Offenheit zu begegnen - ohne sie zu bewerten, davonzulaufen oder zu bekämpfen. Was heißt dies nun in der Praxis? Es bedeutet, dass wir uns aktiv mit unseren Emotionen auseinandersetzten. Das wir sie benennen: ist es Angst, Ärger, Trauer, Neid, Zorn, Wut, Hass - und in uns hineinspüren, uns die Frage stellen wo spüre ich an und in mir welches Gefühl. Also lernen, mit unseren Emotionen intelligent umzugehen.

 

Die emotionale Intelligenz steigern. Was kann ich konkret tun?

 

1. Den Emotionen einen Namen geben: Es ist wichtig, die jeweiligen Emotionen benennen zu können - ihnen also einen Namen zu geben. Durch das Benennen der Emotionen bringe ich Licht ins Dunkel. Ich werfe sozusagen den Scheinwerfer auf den gegenwärtigen Zustand. Damit bringe ich mich in die Lage mir ein Bild zu machen, was gerade in mir vorgeht. Ich betrachte die Emotion sozusagen von oben und bekomme einen Überblick, wie wenn ich auf einen großen Turm in einer Stadt steige um sehen, was sich da unten alles abspielt.

 

2. Körperwahrnehmung: Unser Körper hat die schöne Eigenschaft, dass er unsere Gefühlszustände spiegelt. Wir können herausfinden wie unser Körper auf die unterschiedlichen Gefühlslagen reagiert, was uns hilft bewusst zu werden welche Emotion in uns gerade aktiv ist. Ein Zusammenziehen des Brustkorbes oder berühmte Klos im Hals, könnte ein deutlicher Hinweis für Angst oder auch Ärger sein. Dabei gibt es zahlreiche Methoden, die uns helfen können ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. Die bekanntesten unter ihnen sind beispielsweise: Chi Gong, Tai Chi, Benefit Yoga, Pilates, Progressive Muskelentspannung. Ein konsequentes Achtsamkeitstraining für unseren Körper hilft uns unsere emotionalen Zustände zu erkennen und benennen zu können.

 

Mit folgenden Fragen können Sie herausfinden welche Emotionen und Gefühlslagen bei Ihnen aktiv sind:

 

- Woran erkenne ich das Gefühl?

- Wie stark empfinde ich es, wo würde ich es einordnen auf einer   Skala von 1-10?

- Ist das Gefühl diffus, verschwommen oder klar und eindeutig?

- Wo spüre ich das Gefühl im Körper?

- Gibt es eine Quelle aus der dieses Gefühl entspringt?

- Möchte sich das Gefühl in eine bestimmte Richtung bewegen?

- Kann ich das Fließen des Gefühls ungehindert zulassen?

 

 

3. In die Akzeptanz gehen und loslassen: Akzeptieren Sie ihr Gefühl, so wie es sich jetzt gerade zeigt. Versuchen sich nichts zu ändern, nichts zu beurteilen und keine weiteren Schlüsse zu ziehen. Sagen Sie sich: es ist, wie es ist, in diesem Moment und es darf in diesem Moment auch so sein. Sagen Sie sich ganz bewusst: Mein Gefühl ist wie ein Wetter, das durch mich hindurchzieht. Ich bin nicht identisch mit meinem Gefühl, es gibt noch viele Bereiche in mir, die nicht davon berührt werden. Gefühle kommen und gehen, wie alles andere auch.

 

4. Den Emotionen entgegentreten: Eine weitere Möglichkeit mit unangenehmen Emotionen umzugehen, ist ihnen entgegenzutreten und sie als ein Teil der Realtität wie sie mir begegnet anzunehmen. Sehr oft sind es ja gerade diese Emotionen, die uns daran hindern den entscheidenen Schritt zu tun der uns weiterkommen lässt. Man könnte auch sagen: Genau diese Emotionen sind der Grund dafür, dass wir uns nicht aus unserer Komfortzone bewegen und alles beim alten bleibt, obwohl wir uns gerne ausprobiert hätten. Die Grundhaltung dieser Methode besteht darin, sich selbst mit diesen Gefühlen aktiv zu konfrontieren und sie dadurch zu überwinden.

 

 

Wie funktioniert das? Das kann in drei Schritten geschehen:

 

 

1. Die Anerkennung und achtsame Wahrnehmung des Gefühls wenn es auftritt.Beispielsweise mit dem Satz: Angst ich fühle dich. Ich sehe und spüre dich...

 

2. Das Hineingehen in das Gefühl und die völlige Annahme. Beispielsweise mit dem Satz: Ich gehe in dich hinein. Ich liebe dich als einen Teil von mir in diesem Moment.

 

3. Das Hindurchgehen und die Befreiung des Gefühls. Beispielsweise mit dem Satz: Wenn ich jetzt auf dich höre, komme ich keinen Schritt weiter und deshalb entschließe ich mich jetzt durch dich hindurchzugehen.

 

 

 

 

 

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